Mit Rad und Bahn

Mit Familie mit Rad und Bahn unterwegs: Tipps für eine möglichst entspannte Reise

Mit zwei Kindern und vier Rädern von Köln an den Bodensee

Wir warten mit unsern zwei Jungs und den vier bepackten Rädern am Bahnsteig auf den Zug. Er wird mit 15 Minuten Verspätung angezeigt. Unsere Umsteigezeit habe ich mit über eine Stunde großzügig geplant, ich bleibe entspannt. Als wir es geschafft haben, alle vier samt Rädern in den Zug zu kommen und der Zug anfährt, gibt es einen Ruck und der Zug steht wieder! Ratlosigkeit, die Lautsprecher piepsen ein Signal für die Zugbegleiter, etwas später die Durchsage: „In einem Wagen wurde die Notbremse gezogen!“ Spätestens jetzt hätte ich mit einer Umsteigezeit von unter 30 Minuten Schweißausbrüche bekommen. So kann die Sorge um den Anschluss die Erleichterung vollzählig im Zug zu sein nicht verdrängen. Wenige Minuten später geht es doch los.

Wir gondeln entspannt durch die Lande, erreichen Stuttgart schließlich sogar fast pünktlich und verbringen die Pause dort mit frischen Brezeln und Staunen über die riesige Bahnhofbaustelle! Auch auf der Rückfahrt, lässt uns die Verspätung unseres ersten Zuges kalt, wir haben genug Puffer eingeplant! Die erste große Bahnreise mit 2 Kindern und 4 Rädern hat stressfrei geklappt!

Tipps für das Reisen mit Rad und Bahn

Man kann vieles mit Rad und Bahn spontan machen: In Regionalzügen muss für das Fahrrad nicht reserviert werden. Jeder kann jederzeit mitfahren soweit im Fahrradabteil noch Platz ist. Genau das ist auf beliebten Strecken an Ferienwochenenden und um die Feiertage im Frühsommer herum oft allerdings ein Problem: Es ist schon voll!

Mit mehr als zwei Personen, Kindern, den jeweiligen Fahrrädern und Gepäck ist es daher nicht ganz so einfach mit der Bahn zu reisen. Wenn man aber ein paar Tipps bei der Planung berücksichtig, ist doch mehr möglich, als man denken könnte.

Planen und Buchen

  • Kundschaften Sie möglichst früh mögliche Verbindungen aus.
  • Versuchen Sie, dabei möglichste selten umzusteigen: Bei jedem Umsteigen besteht das Risiko, dass man wegen einer Verspätung den Anschlusszug mit den reservierten Fahrradplätzen nicht mehr bekommt.
  • Planen Sie sehr großzügige Zeiten zum Umsteigen ein: 30 Minuten können schon knapp werden, 1 oder 1½ Stunden sollten fast sicher klappen.
  • Wählen Sie möglichst Verbindungen mit reservierbaren Fahrradplätzen, nur das garantiert, dass auch alle mit ihren Rädern in den Zug kommen.
  • Buchen Sie Züge und Fahrradplätze so früh wie möglich, beliebte Strecken können schnell ausgebucht sein. Wenn möglich Wochenenden meiden.
  • Wenn die Reservierung und Buchung online nicht klappt, lohnt sich oft der Besuch im DB-Kundenzentrum. Dort sieht man nicht erst beim letzten Schritt der Buchung, ob es klappt. Außerdem sehen die BahnmitarbeiterInnen bei Verbindungen mit Umsteigen, welcher Zug der ausgebuchte ist. Auch kennen Sie so wertvolle Tipps, wie den, dass man in den schönen alten schweizer ICs nur jeweils zwei Fahrradplätze auf einmal buchen kann!

Am Bahnhof vor der Abfahrt

  • Seien Sie viel zu früh am Bahnhof: Aufzüge oder Rolltreppen, wenn es sie überhaupt gibt, können kaputt sein. Wenn das Gepäck schwer ist, braucht man für die Treppen mindestens doppelt so lange wie sonst (zu zweit ein Rad und Gepäck tragen oder abladen und zweimal laufen). Schauen Sie auf der Anzeigetafel, ob der Zug auch wirklich auf dem geplanten Gleis kommt, um gegebenenfalls noch das Gleis wechseln zu können.
  • Auf der Wagenstandanzeigtafel auf dem Bahnsteig nachschauen, wo die Radplätze sind. Möglichst genau dort auf den Zug warten. Wenn die Sitzplätze in einem anderen Wagen sind, kann man im (fahrenden) Zug hinlaufen.Man kann das Gepäck am Bahnsteig vom Rad nehmen, dann könnte man die Räder leichter einladen (und das Gepäck nachholen). Wir machen das nicht. Es besteht immer die Möglichkeit, dass der Wagen doch weiter vorne oder hinten hält. Es schont die Nerven, wenn man einfach das Rad samt Gepäck hinschieben kann.
  • Am entspanntesten ist es, wenn die Kinder nicht zu jung sind und ihre Räder sicher auf einem vollen Bahnsteig zwischen den anderen Reisenden hindurch manövrieren können, falls der Radabteil doch woanders ist!
  • Optimieren Sie Ihr Gepäck für die Zugfahrt: Fahradflaschen, die beim Tragen stören, in die Taschen packen. Luftpumpen, die herunterfallen können, ebenfalls wegpacken. Möglichst wenig Gepäckstücke haben: Zum Aus- und Einsteigen Jacken anziehen oder einpacken, Helme aufsetzen! So verringert man die Gefahr, dass etwas liegen bleibt.
  • Wenn nötig bitten Sie Mitreisende gezielt und früh um Hilfe, die meisten Menschen sind sehr hilfsbereit, man muss sie aber meist erst fragen!

Im Zug und beim Aussteigen

  • Im Zug sollten (müssen) Sie das Gepäck von den Rädern nehmen, das schafft Platz für die Räder der anderen Radler. Überlegen Sie, welche Taschen bei den Rädern bleiben können (man kann meist Ablagen am Eingang oder über den Rädern nutzen) und nehmen Sie nur einen Teil des Gepäcks zu den Sitzplätzen mit (Essen, Trinken, Unterhaltung: das Übliche).
  • Vor allem teure Räder sollten Sie abschließen, wenn Sie weiter weg sitzen. Die Vorstellung, dass man aus dem anfahrenden Zug jemanden mit dem eigenen Rad auf dem Bahnsteig stehen sieht, trägt nicht zum entspannten Reisen bei.
  • Es ist sinnvoll, relativ früh vor dem Aussteigen zu den Rädern gehen, diese wieder abzuhängen und, wenn sie nicht zu schwer sind, schon zu beladen. Dann können Sie zügig aussteigen und vergessen hoffentlich nichts im Zug. Außerdem wird für die Reisenden ohne Räder klar, dass es an diesem Ausgang langsam gehen wird und viele wählen dann doch den anderen Ausgang.

Viel Glück beim Ausprobieren und gute Reise!

Manchmal hat man aber auch einfach Glück im Bahn-Unglück

Als wir vor Jahren mit unseren Rädern und dem kleineren Sohn noch mit einem 20er-Rad auf den Zug warteten und das Radabteil ganz am anderen Ende des sehr langen Regionalzuges war, beschlossen wir spontan, das kleine Rad einfach stehen zu lassen. Mein Mann dirigierte den größeren Sohn mit seinem Rad, ich hatte an er einen Hand mein Rad, an der anderen Hand den Kleinen. So rannten wir über den Bahnsteig. Als wir das Radabteil erreicht hatten und einstiegen, kam uns ein anderer Reisender hinterher und hatte das kleine Rad dabei. Nochmals Danke dafür, lieber Unbekannter!

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