Winterwandern in der Eifel

12 Tipps zum Winterwandern in den Mittelgebirgen

Auch wenn die mitteldeutschen Mittelgebirge selten so viel Schnee zu bieten habe wie die Alpen, so lassen sich doch auch hier mit der ganzen Familie wunderschöne Winterwanderungen mit ganz eigenem Reiz machen. Nein, hier brauchen wir keine Schneeschuhe (oder jedenfalls eher selten). Wir brauchen uns auch keine Sorgen wegen Lawinen zu machen. Aber trotzdem ist es sinnvoll, das eine oder andere zu bedenken, bevor man sich auf den Weg in den Winter mit Raureif und weitem Blick über kahle Wälder macht.

Das Winterwetter

1. Es wird sehr früh dunkel

Es wird früher dunkel als wir das vom Wandern zu den anderen Jahreszeiten gewohnt sind: Also früh genug starten und die Länge der Strecke an die zur Verfügung stehenden Stunden anpassen. Nur auf gut bekannten Strecken, kann man einplanen, in die Dämmerung zu kommen. Ich habe immer eine Taschenlampe für Notfälle eingepackt (zum Karten lesen im Dunkeln oder um Wegweiser zu lesen).

Es wird in der Dämmerung auch sehr schnell deutlich kälter gerade bei klarem Himmel. Also lieber früher losgehen und die Sonnenstunden nutzen.

winterliches Abendrot
So schön es ist, das winterliche Abendrot, so schnell wird es auch deutlich kälter

2. Drohen Nebel oder dichter Schneefall?

Nebel oder Schneefall kann die Orientierung durchaus auch in Mittelgebirgen beeinträchtigen. Ich war erstaunt, das im Schwarzwald bei Nebel zu erleben. Falls man tatsächlich mit schlechter Sicht zu kämpfen hat, sollte man besonders aufmerksam auf den richtigen Weg achten und lieber öfter die Karte zur Rate ziehen oder das GPS befragen. Wenn man erst mal falsch gelaufen ist, lieber ein Stück zurück auf den richtigen Weg laufen, als vermeintlich vielversprechnde Abkürzungen auszuprobieren.

3. Wind meiden und Sonne suchen

Wenn stärkerer Wind vorhergesagt ist, Bergkämme und offene Kuppen eher meiden. Dort sind wir dem Wind ausgesetzt und bei Wind und Kälte kühlt man doppelt schnell aus.

Bei dem typischen windstillen sonnigen Winterwetter mit Inversion dagegen wählen ich die sonnige Höhen und Süd- und Osthänge aus. Zwischen Wiesen und Feldern können wir die Sonne genießen, auch lichte Laubwälder lassen viele Strahlen durch. Auf Strecken durch Nadelwälder und in engen Täler wird es dagegen deutlich kälter sein.

sonniger Winterwald
Viel Sonne auch im lichten, kahlen Laubwald

Schlau Pausen machen, essen und trinken

4. Lieber öfter, aber kürzer Pause machen

… als selten und dafür lange. Man kühlt in Ruhe schnell aus. Vor allem nach einem Aufstieg, wenn einem warm geworden ist, lieber direkt etwas überziehen. Wir rasten am liebsten windgeschützt am Waldrand oder vor Holzstapeln. Auch unbewirtschaftete Hütten sind oft auf den Wanderkarten verzeichnet, so dass wir sie einplanen können. Praktisch gerade mit Kindern ist eine Alu-Isomatte (leicht, billig und klein zu packen), damit können wir uns überall auch ohne Bank zum Pause machen hinsetzen.

5. Etwas Warmes zum Trinken

Der Klassiker ist Tee in der Thermoskanne. Gerade für Kinder ist es aber auch gut lauwarmes oder kaltes Wasser einzupacken, damit man den Tee schneller auf Trinktemperatur bekommt und alle genug trinken. Normale Flaschen schützen ihren Inhalt eher vorm Auskühlen, wenn sie mitten im Rucksack transportiert werden und nicht außen.

6. Schnellen Proviant vorbereiten

… dann dauert es nicht lange, bis alle etwas zu Essen in der Hand haben. Fertig geschmierte Brote sind praktischer als Brot und Käse, geschnittenes Obst und Gemüse günstiger als eine ganze Kohlrabi.

7. Viel „Energiefutter“ einpacken

Die kalten Temperaturen zehren und wenn ich schon leicht am Frösteln bin, freue ich mich besonders über leckere Lieferanten von schneller Energie: Studentenfutter, Müsliriegel, Kekse und Schokolade. Das ist auch gut für die Moral, falls es gegen Ende noch durch ein schattiges Tal geht.

Brot und Tee
Leckeres Keksbrot mit Tee in der offenen Hütte, eine ideale Winterwanderpause

Zieht Euch warm an

8. Nutzt das Zwiebelprinzip

Es ist kein Geheimnis, gerade im Winter ist das Schichtenprinzip unverzichtbar. Es hält warm und kann flexibel variiert werden. Als unterste Lage ist Funktionswäsche sehr sinnvoll, unterm Rucksack oder bei einem Anstieg kommen auch wir Großen mal in Schwitzen. Ein Baumwollshirt wird dann schnell klamm und kalt. Es trocknet erst im Zug oder im Auto wieder. Ich schwöre inzwischen auf Merinowäsche, die wärmt angenehm und das auch zuverlässig, wenn sie feucht geworden ist. Für Kinder, die immer mal rennen und toben, ist ein langärmliges Merinounterhemd super, kratzen tut das Material ja nicht mehr.

Darüber tragen wir ein oder zwei Schichten Fleecepullover, je nach Temperatur und Dicke der Jacke. Eine winddichte, zumindest wasserabweisende wattierte Jacke sollte es schon sein, besser mit Kunstfaser als mit Daunen, da unempfindlicher gegen Nässe. Kinder muss man gelegentlich daran erinnern, dass sie auch mal die Jacke öffnen, wenn ihnen gerade sehr warm ist. Im Eifer des Gefechts vergessen sie das gerne, aber die Gesichtsfarbe ist ein guter Hinweis!

Kinder, die nicht selber laufen, sondern in der Kraxe getragen werden, oder im Kinderwagen liegen, müssen natürlich viel wärmer eingepackt werden, da die Wärme duch die eigene Bewegung fehlt.

9. Wandersocken mit Wolle

Da wir wandern und nicht herumstehen wollen, reichen für warme Füße Wandersocken mit hohem Wollanteil und solide Wanderschuhe. Ein gutes Profil ist sehr von Vorteil, falls es auf dem Weg doch mal eisig ist.

Wanderschuhe im Raureif
Mit warmen Wandersocken und soliden Wanderschuhen bekommt man beim Wandern keine kalten Füße

Wenn der Schnee doch mal tiefer ist, können für uns Große auch Gamaschen praktisch sein. Sie verhindern effektiv, dass die Hosenbeine unten nass werden und dass Schnee von oben in die Schuhe fällt. Wer sich auch in in Groß noch gerne in den Schnee setzt und darin herumrollt, sollte dann aber doch auch eine Ski- oder Softshellhose anziehen ;-).

10. Wärme für die Beine

Da ich noch eine von den alten Jeans aus dickem Stoff habe, ziehe ich schon mal damit los. Aber nur, wenn es nicht super kalt ist. Für die Kinder sollte es aber keinesfalls eine Baumwollhose sein. Irgendwie bekommen sie die Hosenbeine im hohen Gras am Wegesrand oder in der nächsten Pfütze doch immer nass. Besser ist eine Treckinghose, am besten eine mit Fleecefutter oder mit einer langen Unterhose (Kunstfaser oder Wolle) daruter.

Regenhosen packe ich immer als Überhose ein, da sie sehr leicht sind und kaum Platz wegnehmen. Wenn es kälter ist, als gedacht, wärmen sie und bei kaltem Wind sind sie ohnehin Gold wert.

Ski- oder Schneehose sind bei kleineren Kindern sinnvoll, die sich oft hinknien oder hinsetzen. Auch in der Kindertrage ist eine wattierte Hose die bessere Wahl und sicherheitshalber vorher mal testen, ob die Hose lang genug ist und auch in der Trage nicht zu weit an den Beinen hochrutscht. Wenn es sehr kalt ist oder Schnee zum darin herumtoben einlädt, sind Skihosen auch für große Kinder die bessere Wahl.

11. Handschuhe und zwei Buffs

Mit zwei Buffs, den praktischen Schlauchschals, fühle ich mich an Kopf und Hals bestens gewärmt. Wird mit zu warm, passen sie locker in die Jackentasche, ist es doch kälter und windig ziehe ich einfach noch die Kapuze drüber. Als Handschuhe reichen mir beim Winterwandern meist Fleecehandschuhe, werden die Hände doch mal kalt, kann man sie ja immer noch in die Jackentaschen stecken.

Für Kinder unbedingt ein zweites Paar Handschuhe einpacken. Die Faszination von Eis auf Pützen und in Bächen ist einfach zu groß und wirklich langfristig wasserdicht sind die wenigsten Handschuhe. Ein Wechselpaar hilf, auch wenn es nur ein dünnes ist, falls das erste Paar durchgeweicht ist.

ein Stück Eis
Das Eis auf Pfützen ist einfach zu faszinierend!

12. Wechselklamotten für die Kinder

Je kleiner das Kind, desto wichtiger ist es für den Fall der Fälle – also für den Fall in Pütze oder Bächlein – wirklich alle Kleidungsstücke in Trocken dabei zu haben. Einem älteren Kind kann man gut erklären, dass es auch mit Mamas hochgekrempletem Fleecepullover weiterwandern kann oder zur Not mal ohne Unterhose unter der Hose. Aber bei den kleinen wollen wir uns das Geschrei lieber gar nicht erst vorstellen (und das während es schnell gehen muss, sie aus den nassen Sachen raus und in die trockenen hinein zu bekommen). Also einfach alles doppelt einpacken, ist ja noch klein und entsprechend leicht. Bei zwei oder mehr Kindern gehen auch Pullover oder Hosen, die dem großen gerade noch passen und dem kleinen nicht allzu viel zu groß sind. Mit dicken trockenen Wollsocken werden auch nasse Wanderschuhe wieder halbwegs erträglich.

Es versteht sich von selbst, dass wir Eltern an Stellen, wo sich die Kinder so nass machen könnten, dass sie ernsthaft auskühlen würden, besonders auf die Kinder achten und sie im Zweifel am Bach oder an einem See an die Hand nehmen.

Alles klar? Weiter Tipps oder Fragen gerne in das Kommentarfeld eintragen. Und dann ab nach DRAUSSEN! Winter ist großartig!

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