Wandern ins Blaue hinein

Zwischen den Jahren in der Eifel

Es ist schon fast eine Tradition, dass wir in den Weihnachtsferien das Haus unserer Freunde in der Eifel hüten dürfen. Das ist eine tolle Auszeit von der Arbeit, vom Alltag und vom Leben in der Stadt. Ein bisschen wandern, ein bisschen im großen Garten arbeiten, einfach im Wald spielen und abends am Kamin sitzen ist das ganze Programm.

Eine Hütte zu bauen, ist ein Faszinosum, das mich seit meiner Kindheit nicht verlassen hat. Damals waren es Hütten aus ausrangierten Weihnachtsbäumen, überdachte Erdlöcher und luftigen Baumhäuser. Auch meine Jungs lieben es, abgestorbene Baumstämme und dicke Äste durch den Wald zu ziehen und etwas daraus zu bauen, worin man sitzen kann.

In der Stadt sind die Möglichkeiten, Hütten zu bauen, meist sehr eingeschränkt oder die Bauwerke werden schnell wieder zerstört. Hier in der Eifel haben wir das Glück, dass Hütten stehen bleiben. Die Hütte, die wir hier vor ca. 5 Jahren gebaut haben, steht immer noch! Allerdings wird sie immer niedriger (das Holz wird langsam morsch) und so sollte eine neue Hütte an einem neuen Platz her. Auch höher, da die Kinder inzwischen um einiges größer geworden sind.

Hütte
Der Beginn unserer neuen Hütte …

Da lange, noch halbwegs stabile Stämme nicht zu Hauf rumliegen, müssen wir ganz schön hin und her laufen und suchen. Der jüngere Sohn beginnt derweil, den Weg zur Hütte fachmännisch mit Stämmen rechts und links zu befestigen und mit Steinen zu plätteln. Das geht gut voran, da der große Bruder als Steinbrucharbeiter einsteigt. Soll Mama doch testen, wie die Konstruktion stabil ist. Gar nicht so einfach, da wir ohne Nägel und nur mit Material aus dem Wald bauen wollen. Fazit: Von der Hütte steht nur das Grundgerüst, aber der Weg ist fast fertig!

gepflasterter Weg
… mit gepflastertem Weg

Ich habe in meiner Jugend gelegentlich für die Pferde Gras gesenst oder die Brennnesseln auf der Weide niedergemacht. Jetzt habe ich endlich mal wieder die Gelegenheit dazu, die Sense zu schwingen. Wenn man es schafft, aus der Drehung des ganzen Körpers die Sense zu führen, ist das eine unglaublich befriedigende Tätigkeit. Anstrengend und leicht zugleich.

Da die Wiese seit dem Frühling nicht gemäht worden war und die Halme ziemlich verfilzt waren, war es mehr auf der anstrengenden Seite, aber ein schöner, handfester Jahresendworkout.

Sense
Die Sense und das verfilzte Gras

Der Luxus eines Kaminfeuers am Abend nach einem Tag draußen in der kalten Winterluft ist eine der Freuden des Landlebens, die wir als Städter im Urlaub sehr genießen. Das Spiel der Flammen zu beobachten, ist immer wieder faszinierend.

Kaminfeuer am Abend
Kaminfeuer am Abend

Eine unserer Wanderungen führt uns hinüber zum Martinssteig im Sahrbachtal (Kartenansicht bei komoot). Dieser Weg ist einfach zu schön: Ein steiler Grat, oben ein Kapelle und eine Grillhütte mit offenem Anbau. Hier kann man auch bei Regen oder wie jetzt, wenn es kalt und windig ist, gut Mittagspause machen.

Der Martinssteig
Der Martinssteig

Die Kreuzberg-Runde

Nach ein paar Tagen mit bedecktem Himmel gibt es einen Umschwung hin zu klar und kalt. Schon beim Frühstück staunen wir über das unglaublich intensive Blau des Himmels. Am Boden liegt zwar kein Schnee, aber alles ist bedeckt von Raureifkristallen. Es ist immer wieder ein tolles Naturschauspiel, wie die Raureifnadeln an Grashalmen und an Blatträndern aufgereiht sind. Da hält uns nichts im Haus!

Raureif
Raureif

Hin haben wir den – wie er bei uns heißt – „Geheimweg“ gewählt, einen auf der Karte noch eingezeichneten inzwischen fast zugewachsener Weg mit viel Matsch und vielen umgestürzten Bäume. Es ist immer ein kleines Abenteurer, ihn zu gehen, und damit ein großer Spaß für die Kinder. Im Sahrbachtal ist alles mit Raureif bedeckt, hier ist noch kein Sonnenstrahl hingekommen und so bleibt die kalte Luft im Tal, während es auf den Höhen wärmer wird: Das ist Inversion quasi zum Anfassen.

Raureif im Tal
Raureif im Tal

Am Sahrbach entlang sind wir dann nach Kreuzberg gewandert. Das Dorf ist ein hübscher Anblick mit dem markanten, weißen Turm auf dem kleinen Burgberg mitten im Tal.

Burgberg und Burgturm
Kreuzberger Burgberg mit Burgturm

Zurück sind wir über einen ebenfalls etwas zugewachsenen, nicht mehr markierten Weg über einen kleinen Grat gekraxelt. Das ist die kaum bekannte, felsige Seite der Eifel. Der Weg ist streckenweise ziemlich ausgesetzt und fast schon ein bisschen alpin.

Sahrbachtal
Blick auf das eisige Sahrbachtal vom Grat

Nach ein paar Kilometern auf Waldwegen und einem hübschem Wiesenabschnitt kommen wir nach Krählingen. Dort sind wir dann endlich mal in der „Alten Krähe“ eingekehrt, von der wir schon viel Gutes gehört hatten. Der Besitzer hat eine alte Scheune liebevoll zu einem einladenden Gastraum umgebaut, genau das Richtige, um sich bei Kaffee, Kakao und Kuchen wieder aufzuwärmen! Im Sommer ist es im Innenhof bestimmt auch sehr schön. Spätestens dann kommen wir wieder!

In der „Alte Krähe“ in Krählingen
„Krähenkekse“ und Kakao in der „Alte Krähe“ in Krählingen

Auf dem Wacholderweg bei Niederheckenbach

Am Rückreisetag nutzen wir die Gelegenheit noch ein bisschen weiter in die Eifel hinein zu fahren. Dorthin, wo die Bahn nicht hinfährt und wohin von Köln aus die Anfahrt selbst mit dem Auto ziemlich lang währe. Da wir immer noch eine Inversionswetterlage haben, die Täler also eisig und die Höhen sonnig sind, habe ich den Wacholderweg bei Niederheckenbach (Kartenansicht bei komoot) ausgesucht, der zwar im eisigen Tal startet, aber sonnige Höhen verspricht.

Wanderkarte zum Freikratzen
Die Wanderkarte im Tal muss man erst mal freikratzen

In Bezug auf die Sonne hält dieser Weg auch, was er verspricht. Im Hinblick auf die Breite der Wege, oft geschottert oder gar geteert, bin ich allerdings ein bisschen enttäuscht. Streckenweise wäre es fast schöner, mit dem Tourenrad unterwegs zu sein, als zu Fuß. Da aber die Sicht über dem Dunst großartig ist, entschädigt uns der weite Blick über das Land für den langweiligen Untergrund.

Blick auf das Siebengebirge
Blick über den Dunst in der Kölner Bucht auf das Siebengebirge

Faszinierend auch hier wieder der Wechsel aus dem eisig kalten Tal hinauf auf die sonnigen, deutlich wärmeren Höhen. In der Sonne oben kann man schön Pause machen und picknicken, im Tal würde man nicht rasten wollen.

Sonnenbeschienene Wege auf den Eifelhöhen
Sonnenbeschienene Wege auf den Eifelhöhen

Da sich die Sonne nachmittags aber schnell dem Horizont nähert (so früh sind wir nicht losgekommen) verzichten wir auf den Schlenker nach Beilstein und nehmen die Abkürzung am Sonnenhang hinunter nach Oberheckenbach. Auf diese Weise entgeht uns leider das eigentliche Wacholdergebiet und so sind wir den Wacholderweg gelaufen ohne Wacholder, aber mit ganz viel Sonne. Über den Wandel der Bewirtschaftung, der erst zu Wacholdergebieten führte und diese dann auch wieder verschwinden ließ, konnten wir uns auf den Tafeln informieren.

Infotafel zum Wacholderweg
Eine der Infotafeln zum Wacholderweg am Wegesrand

Das Wacholdergebiet bei Beilstein ist durchaus sehenswert, ich habe es bei einer Radtour schon mal gesehen. Jetzt aber wollen wir zurück nach Köln, schließlich ist Silvester und die Jungs wollen Böller und Feuerwerk, nicht Stille in der Eifel!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

*